Foto-Collage von Helmuth Rink

 

Transportbataillon Sw 83 

Nachschubbataillon Sw 320

 

 

Aus der Broschüre des NschBtlSw 320 zum 25-jährigen Jubiläum.

 Überarbeitet von Bernhard Gorholt

Fotos: Privatarchiv Helmuth Rink

 

1. Teil: Ein Rückblick auf die Anfänge

 Die Jahre 1966 - 1970

 

 

Am 02.05.1966 - es war ein zaghafter Frühlingstag - trafen die ersten Soldaten des zukünftigen Transportbataillons Sw 83 in ihrer neuen Garnison Herbornseelbach ein. Die meisten von ihnen hatten zuvor diesen Ortsnamen noch nie vernommen.

Sie kamen aus allen Himmelsrichtungen und aus vielen Einheiten des gesamten Korpsbereichs. Statt einer fertigen Kasernenanlage fanden sie eine Baustelle vor, auf der gerade mit Müh und Not und dank der unkonventionellen Arbeitsweise der damaligen Bauleitung, schon zwei Kompaniegebäude fertiggestellt waren, so dass zunächst 50 Soldaten des Vorauspersonals einziehen konnten. Soldaten der "ersten Stunde" in Herbornseelbach waren der spätere Kompaniechef der 1. Kompanie, Hauptmann List und der Kompaniefeldwebel der 1. Kp, Hauptfeldwebel Brickel (siehe Bildergalerie unten). Beide hatten sich bereits zuvor bei Besprechungen mit der örtlichen Bauleitung und dem Wehrbereichskommando IV wegen der vorläufigen Kasernenübergabe kennen gelernt.

Die Aufstellung des neuen Bataillons gestaltete sich weitaus schwieriger, als man sich dies vorgestellt hatte. Trotz aller Sorgen um das leibliche und körperliche Wohl der Soldaten hatte man offentsichtlich vergessen, einen Sanitätsunteroffizier und einen Feldkoch-  unteroffizier in die Aartal-Kaserne zu zuversetzen. Hier und in vielen anderen Bereichen bedurfte es daher nachdrücklicher Vorstellungen bei den vorgesetzten Dienststellen, um zumindest notdürftig arbeitsfähig zu werden.

Wie so oft im soldatischen Alltag kam es dann auch darauf an, zu improvisieren und sich den neuen Aufgaben flexibel und engagiert zu stellen. Mit tatkräftiger Untertützung des Korpsartilleriekommandos 3 in Koblenz lief dann das dringend benötigte Großgerät und Material stetig ein, so dass nach und nach der Dienstbetrieb aufgenommen und die weitere Aufstellung des neuen Bataillons voran getrieben werden konnte. Im September und Oktober 1966 sowie zum 01.01.1967 erfolgten die ersten größeren personellen Ergänzungen. Die Rekruten hierzu hatte das Bataillon selbst ausgebildet. Bereits vom 16. 01. - 19.01.1967 nahm das Bataillon, vorwiegend mit den Stabsteilen der 1. Kompanie, an der Korpsübung "Panthersprung" teil. Und am 02.09.1967 stellte man sich dann erstmals mit einem "Tag der offenen Tür" einer interessierten Öffentlichkeit vor. Ein Riesenerfolg: Über 3000 Besucher folgten der Einladung (siehe Bild untern).

Herborner Tageblatt 12. Mai 1966/Privatarchiv Helmuth Rink

Der 06.September 1967: Es war ein ganz großer Tag für das junge Bataillon. Der Kommandeur des Artilleriekommandos 3, BrigGen Dr. Kublitz, übergab die Truppenfahne an Major Walter, den ersten Kommandeur des Transportbataillons Sw 83. Die feierliche Fahnenübergabe war zugleich verbunden mit der Namensgebung der Kaserne und der offiziellen Übernahme Herbornseelbachs als neuer Standort der Bundeswehr. Man hatte sich für den Namen "Aartal-Kaserne" entschieden, um so die Verbundenheit der Soldaten mit den Gemeinden und Bewohnern des Aartals und mit der landschaftlich besonders reizvollen Lage der Kaserne zu bekunden.

Mit einem Vorbeimarsch mit neuer Truppenfahne vor vielen militärischen und zivilen Gästen endete dieser ereignisreiche Tag.

18. Juni 1993

Der Auftrag für das

Nachschubbataillon Sw 320 endet

Das Bataillon wird aufgelöst.

 

 

 

Die Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion einigen sich auf den Verzicht von nuklearen Gefechtsfeldwaffen in Europa.

 

 

Bereits im Jahr 1987 beschlossen die USA und die Sowjetunion im Mittelstreckenwaffen- vertrag (Intermediate-Range Nuclear Forces/INF-Vertrag) die Vernichtung einer ganzen substrategischen Waffenkategorie. Aber es sollte noch bis in den Herbst 1991 dauern, ehe die damaligen Präsidenten George H.W. Bush und Michail Gorbatschow wechselseitig einseitige Schritte zur substanziellen Abrüstung der "taktischen Atomwaffen" vereinbarten. Der entscheidende Durchbruch gelang erst im November 1990 mit der Unterzeichnung des Vertrages über konventionelle Streitkräfte in Europa /KSE-Vertrag. Mit der Einigung von NATO und Warschauer Pakt auf asymmetrische Reduktionen und die Herstellung gleicher Obergrenzen bei den konventionellen Hauptwaffensystemen wurde die Fähigkeit des Warschauer Paktes zur Auslösung von Überraschungsangriffen und zu raumgreifenden Offensiven beseitigt. Da die vorangegangene Herstellung eines stabilen und sicheren Gleichgewichts der konventionellen Kräfte für die NATO immer das entscheidende Kriterium für den Verzicht auf ihr operativ-taktisches Nuklearpotential war, stand nunmehr den weiteren Verhandlungen über den Abbau dieser Waffen nichts mehr im Weg.

 

Im April 1992 wurde dann das Sondermunitionslager Bellersdorf  geräumt und im Juli 1992 teilten die USA offiziell mit, dass alle atomaren Gefechtsköpfe (für Artilleriesysteme, Kurzstreckenrakete „Lance“ u. Landminen) aus Europa abgezogen waren; die russischen Bestände wurden vollständig auf das Territorium der Russischen Föderation verlagert.

 

 

Ein persönliches Fazit: Mit ihrem speziellen Auftrag und der engen Verknüpfung mit den sicherheitspolitischen und strategischen Positionen in der Zeit des Ost-West-Konfliktes nehmen die ehemaligen Sonderwaffenbataillone der Bundeswehr einen wohl einmaligen Platz in der Geschichte des deutschen Heeres ein.

 

Die Herborner Journalistin Hannelore Benz schreibt im Heimatjahrbuch 1996 für den Lahn-Dill-Kreis  über die Außerdienststellung des Nachschubbataillons Sw 320 und die ehemalige Garnison Herbornseelbach:

 

 

„Damit ging eine Aera zu Ende, die wie kaum eine andere die Verflechtungen von Welt- und Kommunalpolitik aufzeigten, am Beispiel einer kleinen Garnison in einem kleinen Dorf“.

 

B.Gorholt

 

 

Zusammen mit den Truppenfahnen des Sicherungsbataillons 300, des Raketenartilleriebataillons 350 und des Beobachtungsbataillons 43 wird die Truppenfahne des NschBtlSw 320 bei der Artillerieschule in Idar-Oberstein aufbewahrt; als Teil der Geschichte der Artillerie in der Bundeswehr